Mensch zu Tier

Eines Tages fing es an.
Erst fiel es mir nicht auf,
Blieb ein ganz normaler Mann.
Dann nahm es seinen Lauf

Sprechen fiel mir plötzlich schwer,
Die Zunge war wie Blei.
Von Tag zu Tag wurde es mehr,
Ich rief den Arzt herbei.

»Doktor! Doktor!« sagte ich
mit Müh' artikuliert.
»Irgend etwas stimmt hier nicht,
Ich bin total verwirrt.«

Blut und Proben nahm er mir
Zur Untersuchung ab.
Schickte sie zum Arzt nach Trier,
Der davon Ahnung hat.

Wochen warten, das fiel schwer,
Mit mir ging es bergab.
Arme, Beine, schmerzten sehr,
Ich sah' mich schon im Grab.

Doch dann kam ein Brief herein,
Und zwar vom Arzt aus Trier.
Dort stand, ich sollt' bei ihm sein,
Am Dienstag gegen vier.

Nachdem er mich untersucht
War er recht überrascht.
»Sowas steht in keinem Buch,
Das hätt' ich nie gedacht!

Alle Zeichen sagen mir,
Doch sag' ich das nicht gern,
Und zwar, dass Sie zu einem Tier,
Genauer: Pferde wer'n.«

»Und das soll ich glauben nun?«
Hatt' ich ihn gefragt.
»Und was sollte ich nun tun,
Nachdem sie's mir gesagt?«

Grübelnd sah er mich da an
Und meinte kurz darauf:
»Nicht sehr viel mein guter Mann,
Geben sie einfach auf.

Heilen kann ich Sie nun nicht,
Die Krankheit ist mir neu.
Schätzen könnt' ich lediglich,
Wann es denn ist vorbei.«

»Niemals! Nein! Das ist nicht wahr!«
Schrie ich ihn zornig an.
Bald jedoch hatt' schon mein Haar
Zu wachsen angefang'.

Schmerzen wurden zu 'ner Qual
Als bald auch mein Gesicht
Länger wurde auf einmal,
Ich dacht schon: Es zerbricht.

Nur zwei Wochen brauchte ich,
Da war ich bis zum Bauch
Pferden gleich, wie fürchterlich.
Der Rest, der folgte auch.

Das, was wirklich schmerzhaft war,
Die Arme, das tat weh!
Irgendwie ist's sonderbar,
Dass ich auf ihnen geh'.

Schlussendlich, nach knapp 'nem Jahr
War es dann doch vorbei.
Und so schlimm wie es auch war:
Es war was Gutes bei.

Sorgen sind nun einfach fort,
Mich kümmert gar nichts mehr.
Wohn' an einem schönen Ort,
Ein Steinwurf bis zum Meer.

Meinen Stall, den zahl' ich nicht,
Und Futter bringt man mir,
Warmes Fell, das habe ich,
Auch Freunde hab' ich hier.

Reite mit dem Mensch ich los
Macht mir das auch nichts aus.
Schließlich ist die Freude groß,
Man kommt einmal heraus.

Doch ein Haken war daran
Statt Mann ein Hengst sein:
Als einmal der Tierarzt kam,
Wollt' ich am liebsten wein'.

Gute Freunde nahm er mir,
Es war'n zwei an der Zahl.
Ohne diese sind nun mir
Die Stuten scheißegal.


Geschrieben von Björn "Islaender" Steinert, 2007