Nicht ich

Wenn der Gestank mich verwirrt,
Wenn die Monotonie mich frisst.
Wenn der Asphalt zu hart wird,
Und ich spüre, wie falsch es ist.

Wenn das Auge nicht mehr sehen will,
weil all das Elend es erdrückt.
Das Übel der Welt, einfach zuviel.
Dann denk‘ ich die Welt ist verrückt.

Nach Veränderung sehne ich mich,
Einem Leben wie ich es mir träume.
Ein Leben so frei und so königlich,
Befreit von engen Räumen.

Ein Leben unter freiem Himmel,
über mir die Sterne so klar.
Ohne das lästige Gewimmel,
nichts mehr so, wie es mal war.

Hufe und Nüstern wünsche ich mir,
Mähne und Schweif, ein dichtes Fell.
Ein Mensch und doch kein Mensch in mir,
der Gedanke erscheint mir so hell.

Er ist so klar und zweifelsfrei,
Und doch erkenne ich bald:
Ein Mensch in menschlichem Einerlei,
In einer Gesellschaft so kalt.

Wenn ich den Verrat, die Falschheit fühle,
So viele Menschen, so intrigant.
Dann weiß ich schon, wie ich verführe:
Ich steckte die Welt in Brand.

Brennen soll sie überall,
Dahingerafft der Mensch, die Pest.
Ein großer und gewaltiger Knall,
Gerichtet ganz ohne Rest.

Als Mensch unter Menschen bin ich geboren,
Doch unter Gleichen bin ich nicht.
Ich fühle mich hier nur verloren,
Denk‘ oft an das jüngste Gericht.

Ich fühle mich am falschen Platz,
Im falschen Leben am falschen Ort.
Der Einzige Trost, mein einziger Schatz,
Seit Wochen schon ist er fort.

Wie schön und einfach alles wäre,
Wie simpel und unkompliziert,
Hätt' ich nur gehabt diese Ehre,
dass mich eine Stute gebiert.

Ich liefe ungestüm und wild,
mit langer Mähne, forschem Schritt.
Bis mein Herz mir überquillt,
Vor Freude und schierem Glück.

Endlich wäre Stille in mir,
das Gefühl: Hier soll ich sein.
Nicht mehr Mensch, sondern Tier.
Doch so wird es niemals sein.

Mein Leben, mein Leben ist eben meins nicht,
ich fürchte, hier bin ich nicht recht.
Ich fürchte oft, dass mein Geist dran zerbricht,
So wie Ihr ein Zweiglein zerbrecht.

Ich bin ich und doch nicht ich,
Mein Körper, muss das meiner sein?
Tat ich was Falsches? Ich weiß es nicht.
Um als Mensch so gestraft zu sein.

Andere sind oft schlimmer dran,
das weiß ich doch sehr genau.
Sie halten es aus, stehen ihren Mann,
Und oft genug auch ihre Frau.

Doch ich bin nicht Andere,
Und Andere nicht ich.
Und wohin ich auch wandere,
dahin gehen sie nicht.

Manche begleiten mich ein Stück,
gehen einen Teil des Weges mit mir.
Doch ganz bis zum Ende, jedes Stück,
bleibt keiner stets bei mir.

Und so sollten wir uns erinnern,
Jeder für sich ist stets allein.
Egal wie viel Zeit wir auch verbringen,
Jeder kann nur ein Mal sein.

Einen wie Dich, einen wie mich,
gibt es zweites Mal wirklich nicht.
Jeder von uns – einzigartig,
Jeder von uns ein eigenes Licht.

Drum sag ich Euch auch frei heraus:
Was andere schafften ist mir egal.
Ich bin ich, und ich halt‘s kaum aus,
Mein Leben – zu oft nur noch Qual.

Grau in grau, welch Einerlei,
Alles hier geht seinen Trott.
Wahre Abwechslung ist kaum dabei,
Alles läuft in einem fort.

Als Tier, als Pferd, würde ich nicht spüren,
Was alles nicht so ist, wie es soll.
Ich würde ein einfaches Leben führen,
Und mein Kopf wäre nicht mehr so voll.

Ich wäre das, was ich sein will,
Ich hätte meinen Wunsch erfüllt.
Die Stimmen im Kopf wären endlich still.
Meine Sehnsucht wäre gestillt.

Warum ich so fühle ist mir nicht bekannt,
Die Gedanken sind einfach da.
Am liebsten durchbräche ich die Wand,
Zwischen Wunsch und dem was ich war.

Nicht ich bin es, der hierher gehört,
dessen Leben meines ist.
Doch egal wie sehr es stört,
Ich wird draus machen, was zu machen ist.


Geschrieben von Björn "Islaender" Steinert, 2004