Vaters Lied

Kleiner Hengst, Du warst willkommen
Auf der großen, bunten Welt.
Zu leben hattest Du begonnen,
Doch gibt es so viel, das noch fehlt.

Ich lächelte voller Entzücken
Als deine kleine, weiche Hand
Sich um einen meiner dicken
Und bepelzten Finger wand.

Und danach war Sprechen dran
So erfreut zuckte mein Ohr
Als Deine Lippen irgendwann
Brachten ein kleines Wort hervor.

Die ersten Schritte füllten mich
Mit Glück und auch mit so viel Stolz.
Erst zögerlich führten sie Dich
Über des Bodens raues Holz.

Schon bald da tolltest Du herum
Mit Freunden in gar wildem Spiel.
Oft sah ich mich schon nach Dir um
Wenn einer von Euch niederfiel.

Und lagst Du krank daheim im Stroh
So pflegte ich Dich schnell gesund.
Sprangst Du dann wieder wild und froh
Tat ich die Freud' mit Tränen kund.

Erwachsen wurde dann mein Kind
Und wollt' ein großer Krieger sein.
Wollt' dorthin wo sie alle sind,
Trat in des Königs Reihen ein.

Dein erster Krieg war Dein Verderben,
Drum ruh' nun friedlich, armes Kind.
Ich werde bald Dein Rächer werden
Bis dann vereint wir wieder sind.

So greif' ich nach meiner Klinge,
Mein Schwert und Schild in fester Hand.
Noch dies letzte Lied ich singe,
Dann geh' ich fort aus diesem Land.

Ruhen werd' ich erst wenn ich fand
Am Ende meiner langen Suche'.
Den Krieger dessen Mörderhand
Ich nun seit heute so verfluch'.

Deinen Mörder werd' ich richten
Und dann mit Dir zu Grabe geh'n.
Und mein Stein, der soll berichten:
Er wollt sein Kind am Leben seh'n.

So leb denn wohl geliebtes Kind,
Nun fängt die Reise wohl bald an.
Habe keine Furcht denn schon bald sind
Wir beide dann erneut zusamm'.


Geschrieben von Björn "Islaender" Steinert, 2003